International
Donald Trump

Venezuela: Trump geht eine Öl-Wette in Venezuela ein

Trump geht in Venezuela eine gewagte Öl-Wette ein

Die Öl-Ambitionen des US-Präsidenten in Venezuela sind gross, aber ebenso die Risiken. Auch eigene Interessen dürften im Spiel sein.
07.01.2026, 07:1607.01.2026, 11:31
Niklaus Vontobel / ch media

Die USA haben den venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro aus dem eigenen Land heraus entführt. Soweit so spektakulär. Aber was nun? Was will Donald Trump von Venezuela?

The El Palito refinery rises above a beach in Puerto Cabello, Venezuela, Sunday, Dec. 21, 2025. (AP Photo/Matias Delacroix)
APTOPIX Venezuela Oil
Venezuela birgt den grössten Ölschatz der Welt: Doch die Förderanlagen sind heruntergewirtschaftet.Bild: keystone

Der US-Präsident hat dazu schon alles Mögliche gesagt. Beispielsweise, dass es ihm um Fentanyl gehe, das aus dem Ausland in die USA gelangt und dort Tausende von Menschenleben fordert. Doch Fentanyl kommt nicht via Venezuela in die USA, sondern via Mexiko und wird in China hergestellt. Venezuela ist ein Transitland für Kokain – aber kein wichtiges und nicht für die USA, sondern für Europa.

Nach der Entführung von Maduro hat Trump jetzt überraschend offen gesagt, es gehe ums Erdöl. Er will an die immensen Erdölreserven Venezuelas ran. Es sind die grössten der Welt, grösser noch als jene Saudi-Arabiens. An einer Pressekonferenz sagte Trump, sein Land werde nun Venezuela regieren. «Das wird uns nichts kosten, weil das Geld, das aus dem Boden kommt, sehr beträchtlich sein wird.»

«Wir werden die Ölinfrastruktur wieder aufbauen, was Milliarden von Dollar kosten wird», sagte Trump. «Unsere Ölkonzerne werden für diese Ausgaben direkt aufkommen. Und sie werden für das, was sie tun, entschädigt.»

Erst geschossen, dann überlegt

Kann dieses Kalkül aufgehen? Ein von langer Hand vorbereiteter Plan steckt anscheinend nicht dahinter. «Ich habe in den vergangenen Tagen nicht mit US-Ölkonzernen gesprochen», sagte der US-Aussenminister Marco Rubio laut der Nachrichtenagentur «Bloomberg». «Aber wir sind ziemlich sicher, dass das Interesse enorm sein wird.» Ziemlich sicher. Das klingt nach viel Improvisation.

Secretary Marco Rubio meets with Belgian Foreign Minister Maxime Prévot at the State Department, Tuesday, Jan. 6, 2026 in Washington. (AP Phoro/Kevin Wolf)
Marco Rubio,Maxime Prévot
US-Aussenminister Marco Rubio.Bild: keystone

Nach Improvisation klingt auch, was das Magazin «Politico» von einem mit den Gesprächen vertrauten Branchenvertreter erfahren hat. Es habe «sporadische» Kontakte gegeben, die von der Branche «relativ zurückhaltend aufgenommen wurden». Insgesamt seien die Bemühungen «bestenfalls noch in den Kinderschuhen» und fühlen sich «sehr nach einer Übung an, bei der erst geschossen, dann überlegt wird.»

Es ist jedoch keine Aufgabe, die Trump so locker nebenbei wird bewältigen können. Der britische «Economist» spricht von «Trumps grosser venezolanischer Öl-Wette». Das Land verfüge zwar über die grössten Ölreserven der Welt. «Ihre Förderung wird jedoch eine Qual sein.»

Es wird teuer, richtig teuer. Experten gehen von über 100 Milliarden Dollar aus. So viel Geld ist nötig, um die Produktion wieder dorthin zu bringen, wo sie vor ungefähr 15 Jahren einmal war. Damals wurden die US-Förderanlagen in Venezuela durch den früheren Präsidenten Hugo Chávez verstaatlicht und danach heruntergewirtschaftet. Nun bräuchte es also über 100 Milliarden – doppelt so viel, wie alle grossen US-Ölkonzerne im Jahr 2024 weltweit investiert haben.

Das ist viel Geld – vor allem, wenn man es in einem politisch labilen Land ausgeben soll. «Bloomberg» zitiert dazu einen früheren Top-Manager aus der venezolanischen Ölindustrie, der aus dem Land geflohen ist: «Damit Ölkonzerne ernsthaft über solche Investitionen nachdenken, braucht es ein neues Parlament. Das ist nicht, was derzeit geschieht. Definitiv nicht.» Aktuell rollt in Venezuela eine neue Welle der Repression an.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die USA scheitern

Wenn die US-Konzerne in Venezuela dann Öl fördern können, ist die Frage, wer es kauft. Die Welt wird gerade mit Öl überflutet, die globalen Preise stehen nahe am Fünfjahrestief (s. Grafik). Bis zum Ende des Jahrzehnts rechnet die Internationale Energieagentur (IEA) weiter mit einem Überangebot.

epa03728250 (FILE) A file photograph dated 06 October 2009, shows Muammar al-Gaddafi, leader of Libya, at the 50th anniversary of the founding of the officers group that mounted the Libyan Revolution  ...
Der ehemalige lybische Diktator Muammar al-Gaddafi.Bild: EPA

Sollten die USA scheitern, wäre es nicht das erste Mal. In der Vergangenheit sind sie mit ähnlichen Vorhaben erfolglos geblieben, wie ein Ölexperte bei «Bloomberg» erklärt. In Libyen wurde 2011 der Diktator Muammar al-Gaddafi gestürzt, auch mit Unterstützung von Nato-Luftangriffen. Das ist 14 Jahre her, doch die Erdölproduktion liegt noch immer 25 Prozent tiefer als damals. Bitter verlief es aus amerikanischer Sicht auch im Irak.

Die USA stürzten 2003 den Machthaber Saddam Hussein und beteiligten sich danach stark an der Führung des Landes. Dennoch dauerte es zwölf Jahre, bis die Ölproduktion wieder zurück auf dem Vorkriegsniveau war. Und die neue Produktion stammt mehrheitlich nicht von US-Konzernen – sondern von chinesischen.

«Die venezolanische Erdölproduktion wird sich wohl nicht so rasch erholen – auch wenn sich die USA nun stark beteiligen», sagt der Öl-Experte zusammenfassend. «Gewaltsame Umstürze von Regierungen sind selten förderlich für Investitionen.»

In den USA wird derweil munter über Trumps Beweggründe spekuliert. Einige vermuten, er wolle mit aussenpolitischen Abenteuern von seiner innenpolitischen Schwäche ablenken. Tatsächlich sind seine Beliebtheitswerte derzeit miserabel. Doch wenn das seine Überlegungen sein sollten, wäre er schlecht beraten.

President Donald Trump speaks to House Republican lawmakers during their annual policy retreat, Tuesday, Jan. 6, 2026, in Washington. (AP Photo/Evan Vucci)
Donald Trump
Immer mehr seiner Wähler stellen sich gegen ihn.Bild: keystone

Eine militärische Intervention in Venezuela sei noch unbeliebter als Trumps schon sehr unbeliebten Zölle und Kürzungen im Gesundheitswesen, schreibt ein Meinungsforscher. Dabei stützt er sich auf verschiedene Umfragen, unter anderem auf eine, die zeigt: Nur 25 Prozent der registrierten Wähler befürworten US-Militäraktionen in Venezuela, 63 Prozent sind dagegen. Trump selbst hat sich eigentlich lange als «Friedens-Präsident» bezeichnet.

Mitarbeiterinnen zum Sexstraftäter nach Hause geschickt

Nochmals andere glauben, dass Trump zumindest froh ist, wenn nun Venezuela die Schlagzeilen dominiert. Über die Festtage kamen neue Fakten ans Licht über Trumps Beziehung zum verstorbenen Investmentbanker und verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.

Documents that were included in the U.S. Department of Justice release of the Jeffrey Epstein files are photographed Friday, Jan. 2, 2026. (AP Photo/Jon Elswick)
Justice Department Jeffrey Epstein
Epstein verstarb im Jahr 2019 im Gefängnis.Bild: keystone

Das «Wall Street Journal» veröffentlichte am 30. Dezember eine Recherche, wonach Epstein in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren ein häufiger Gast in Trumps Mar-a-Lago-Club war. Er war kein zahlendes Clubmitglied; Trump hatte die Weisung erteilt, ihn wie ein solches zu behandeln.

Wenn Epstein wollte, musste er nicht selbst nach Mar-a-Lago gehen. Der Club schickte junge Mitarbeiterinnen zu seiner nahe gelegenen Villa für Massagen oder Maniküren. Die Frauen warnten einander, Epstein entblösse sich manchmal bei solchen Terminen.

Es endete erst 2003, nachdem Mar-a-Lago eine 18-jährige Spa-Mitarbeiterin zu Epstein geschickt hatte und diese sich bei ihren Vorgesetzten beschwerte. Epstein habe sie zu Sex gedrängt. 2006 wurde er verhaftet. Minderjährige Teenager hatten der Polizei berichtet, Epstein habe sie für Sex bezahlt.

Schliesslich glauben nochmals andere Kritiker, dass es Trump am Ende nur um Macht und Geld für sich selbst geht. Alles andere muss sich dem unterordnen. In Venezuela hat Trump bereits Macht demonstriert, ob seine Öl-Wette aufgeht, wird sich zeigen.

(aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Ex-Mitarbeiterin von Bar in Crans-Montana erhebt schwere Vorwürfe
1 / 6
Ex-Mitarbeiterin von Bar in Crans-Montana erhebt schwere Vorwürfe
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Werden sich die USA Grönland militärisch aneignen? Präsidentenberater Stephen Miller weicht aus
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
58 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Gurgelhals
07.01.2026 07:38registriert Mai 2015
Die plausibelste weil dümmstmögliche Erklärung (man denke an das Grundprinzip von Trump’s Razor: Die dümmstmögliche Erklärung für alles, was diese „Regierung“ tut ist i.d.R. die richtige) für diese „Spezialoperation“ in Venezuela ist immer noch:

Sie haben es für den Content getan. Für den Content.

Weil: Trash Reality TV-Regierungen machen halt Trash Reality TV-Sachen.

Und das erklärt dann auch, warum hier kein Erklärungsversuch, welcher sich an normalen politischen Überlegungen orientiert, irgendwie halbwegs aufgeht.
787
Melden
Zum Kommentar
avatar
FeyssPalmer
07.01.2026 08:30registriert Dezember 2024
Es geht Trump auch um die Epstein-Files. Die Ablenkung von diesem Thema stört ihn garantiertt nicht.
623
Melden
Zum Kommentar
avatar
Amateurschreiber
07.01.2026 08:29registriert August 2018
"... dass es Trump am Ende nur um Macht und Geld für sich selbst geht."
Das ist meiner Meinung nach, worum es Trump in erster Linie geht.
Für mich sieht die ganze Venezuela - Operation so aus, als hätte jemand aus der Ölbranche von Trump nun die versprochene Gegenleistung für eine Wahlkampfspende erhalten.
381
Melden
Zum Kommentar
58
Europäer verlegen Soldaten nach Grönland – kommt es jetzt zum Clash mit den USA?
Verschiedene europäische Nato-Länder schicken nach den ergebnislosen Verhandlungen in Washington Militärkontingente nach Grönland. Die Nato-Verteidigungsallianz findet sich immer mehr in einem Katastrophenszenario.
Ein Nato-Land hat dermassen Angst vor einem anderen Nato-Land, dass es seine Freunde um militärischen Beistand bittet? Klingt absurd, ist aber beim Grönland-Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und der dänischen Regierung mittlerweile Realität geworden.
Zur Story